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Gute Kunst

Gedanken über das Künstler sein

Die Größe eines Künstlers bemisst sich nach seinem Menschsein. Und wenn auch alle Welt einem Künstler zujubelt und ihn lobt, so sagt das doch kaum etwas über seine Qualität als Künstler aus. Es mag sein, dass der bejubelte Künstler ein geselliger Mensch ist, der die richtigen Leute im rechten Augenblick von seinem Anliegen überzeugt hat. Es mag sein, dass der Künstler übergroßer Hartnäckigkeit, Kaltblütigkeit oder von brutalem Konkurrenztrieb ist. Er kann ja auch gerade eine Art von Kunst machen die, obwohl sie einen Nerv der Zeit trifft, nicht besonders schön, oder einfach nicht besonders ist. Erfolg ist kein Maß für die Qualität des Künstlers und seiner Kunst. Das ist eine Plattitüde, aber man muss sie scheinbar mal wieder aufschreiben.

Umgekehrt kann es sein, dass ein Künstler trotz all seiner Widersprüche, Schwächen und Verfehlungen ein guter Mensch ist. Das gibt es auch. Und es wird wohl niemand bestreiten, dass es schwierige Menschen gibt, die dennoch den Aufwand wert sind mit ihnen um zu gehen, weil sie im Grunde gute Menschen sind. Schwierige, gute Menschen. Fast sind mir das die liebsten.

Es gibt aber auch Menschen, die gefährlich sind. Gefährlich für diejenigen, die in ihrer Nähe sind. Wenn ein Mensch den anderen als Zweck – im Kantschen Sinne – gebraucht, ist er gefährlich, denn er missachtet die angeborene Würde des Anderen. Und er übertritt eine Grenze, die zurecht den Zirkel der Gesellschaft, der Kultur, von dem der Barbarei abtrennt. Wir finden an diesem Übergang möglicherweise einen Kulturbetrieb. Aber wir finden dort keine Kunst. Wir finden dort die Gewalt.

Kunst ist Ausdruck der Menschlichkeit

Gewalt ist das Mittel dem Anderen seine Menschlichkeit abzusprechen. Wo die Gewalt herrscht entsteht keine Kunst.

Wo ist der Übergang zu finden zwischen dem Menschen, der schwierig aber liebenswert und dem der gefährlich ist? Das ist eine ernste Frage. Und keiner kann diese Frage für den anderen beantworten. Wir stehen mit dieser Einschätzung alleine da und können und müssen zu unseren Entscheidungen stehen, egal was andere darüber denken. Denn Sympathie ist keine leichte Sache. Wem wir die Treue halten entscheidet, wer wir sind.

Daher sollte man weise wählen, wer es wert ist von uns geliebt zu werden.

Es gibt das was Goethe das „dämonische“ nannte und, unter anderem, damit eine Form des Charisma bezeichnet, die die Menschen in ihren Bann zieht. Das ist sicherlich eine hohe und gefährliche Begabung. Sie kann uns immer wieder dazu bringen die natürlich empfundene Grenze unserer Würde und unserer Selbstachtung weiter zu verschieben. Manchmal so weit, dass wir wie aus einem Traum erwachen und uns an einem Ort wieder finden, der von abschreckender Hässlichkeit ist.

Wie im Traum sind wir dem Dämon des Anderen gefolgt. Und wenn uns die Sinne zurückkehren erschrecken wir vor dem Abgrund an den wir geführt wurden.

Ist das Kunst? Oder besser: Ist das gute Kunst? Ich denke nicht.

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