Melke den Tag

Begegnung mit Felix Timmermans

MARC

So, wie die meisten Menschen in unserem Kulturraum verbringe ich viel zu viel Zeit vor dem Handy. Ich scrolle durch facebook, instagram, ebay, amazon, YouTube etc. Was vor allem bei dieser Internetscrollerei erzeugt wird sind sehr überflüssige Wünsche. Keine Wünsche im Ende’schen Sinne. Eher künstliche Bedürfnisse. Konsumbedürfnisse die Bezug nehmen auf meine Hobbys und meinen Beruf, auf Hobby und Beruf meiner Freunde, Geschwister, Bekannten, meiner Freundin und so weiter und so weiter.
Und alle diese Dinge sind unheimlich interessant und glänzend und neu und vor allem eines:
Unnötig. So unnötig, dass es einem schon fast Leid tut über all diese Dinge zu schreiben. Zum Beispiel und vor allem hier. Und tatsächlich kaufe ich regelmäßig diese unnötigen Dinge, freue mich darauf, dass sie ankommen und habe tatsächlich das Gefühl, dass sie irgendeinen Zweck in meinem Leben erfüllen.
Sie haben allerdings keinen solchen Zweck, wenn man ehrlich ist. Sie bleiben was sie immer waren: unnötig.
Ganz anders bei Timmermans. Keines der Dinge die Timmermans beschreibt ist unnötig. Sie sind alle großartig. Der Wein den Pallieter vor seinem flämischen Bauernhäuschen trinkt. Das Abendsonnenlicht auf der Nethe. Die nebelfeuchten Wiesen. Die Kapellen, die Franziskus neu erbaut. Die Landschaft, die Bruegel mit den Augen aufsaugt und aus seinen Fingern wieder ausströmen lässt. Alles absolut notwendige einfache Sachen.
Und das ist es warum ich so einen Hunger auf Timmermans Bücher habe. Die Flut aus unnützen Zeug um mich wird gebremst. Eindringliche und seltene Dinge strömen aus den Büchern auf mich ein und Pallieter ruft mir mit losen Mundwerk zu: Melke den Tag!
Das versuche ich zwar jeden Tag, aber vor allem Träumer und Samtpfote tun das! Sie stoppen die Flut der unnötigen Dinge, die aus dem Schloss der schniefnasigen Langweilprinzessin über die Menschen hereinströmt. Sie konzentrieren sich aufs Wesentliche.
Auf Erlebnisse mit ihren Freunden, auf Abenteuer und Geschichten am Lagerfeuer. Und verwandeln sich dabei. In Tiere, in Menschen, in Kinder, in Abenteurer. Vor allem bleiben sie aber eines: Verwandelbar. Die Last der unnützen Dinge drückt sie nicht nieder und zwingt sie in eine Form.
Ich hoffe meine Geschichten inspirieren die Kinder und die Erwachsenen, welche sie lesen auch dazu den Dingen ihre Aufmerksamkeit zu schenken, die es wirklich wert sind. Den Geschichten, die wir uns und den Anderen von uns erzählen und die uns verwandeln. Und vor allem: Die Geschichten die uns verwandelbar machen.

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